Médias – Conférences de presse

Travail.Suisse fordert eine echte Gleichstellung

Für Travail.Suisse ist es zentral, eine moderne Gleichstellungspolitik zu betreiben. Heute präsentiert der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden deshalb das neue Positionspapier „Gleichstellung von Frau und Mann heute und morgen“ mit 28 Forderungen für mehr Wahlfreiheit und zur Gewährleistung der Lebensqualität von Arbeitnehmenden. Im Fokus stehen dabei die Einführung einer schwarzen Liste für lohndiskriminierende Unternehmen und der Individualbesteuerung sowie eine bessere soziale Absicherung bei Care-Arbeit. mehr

Seit 1988 dürfen Frauen in der Schweiz ohne das Einverständnis ihres Ehemannes arbeiten oder ein Bankkonto eröffnen, seit 2005 erhalten erwerbstätige Frauen einen Lohnersatz während des Mutterschutzes und im Jahr 2017 beträgt die Lohndiskriminierung noch immer mindestens 7,7 Milliarden Franken. Auch bei den Männern gibt es offene Baustellen: Zwar möchten 9 von 10 vollbeschäftigten Männern gerne Teilzeit arbeiten (aus: „Was Männer wollen“, Studie von Pro Familia Schweiz, Bern 2011), aber gerade mal 17.5 Prozent machen es. Und einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub gibt es schon gar nicht. Der Weg zu einer echten Gleichstellung ist noch sehr lang. Deshalb hat Travail.Suisse ein Positionspapier erarbeitet, das als Basis für parlamentarische Vorstösse in den kommenden Sessionen dienen wird. Im Fokus stehen aktuell folgende Forderungen:

1. Es braucht eine schwarzen Liste für lohndiskriminierende Unternehmen

Die Lohngleichheit ist eine jahrzehntealte Forderung. „Leider stösst sie vor allem politisch noch immer auf taube Männerohren, das hat der Ständerat kürzlich bewiesen“, sagt Sabri Schumacher, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung bei Syna. Die Lohndiskriminierung beträgt im Jahr 2017 noch immer über 600 Franken pro Monat und Frau, „das ist mehr als eine Ohrfeige für erwerbstätige Frauen“, so Schumacher. Mit dem vorliegenden Positionspapier wird klar: Das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ muss in den Unternehmen zwingend durchgesetzt werden. Das Parlament wollte im Gleichstellungsgesetz keine ausreichenden Vorkehrungen treffen, um die die Situation zu verbessern. Deshalb prüfen Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände die Einführung einer schwarzen Liste, auf der diejenigen Unternehmen aufgelistet werden, die keine freiwilligen Lohnüberprüfungen anhand einer anerkannten Methode durchführen.

2. Die Care-Arbeit muss besser sozial abgesichert werden

In der Schweiz betreuen 35 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung regelmässig Kinder oder Erwachsene, das sind fast 1,9 Millionen Personen. „Den Löwenanteil dieser unbezahlten Care-Arbeit leisten Frauen – und werden dafür spätestens im Rentenalter mit einer kleineren Rente bestraft“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse. Die Diskussionen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zielte in den vergangenen Jahren mehrheitlich auf die Betreuung von Kindern ab. Das ist auch richtig so, aber es ist höchste Zeit, dass die Betreuung erwachsener und betagter Angehöriger einbezogen wird – gerade im Angesicht von Demografie und Fachkräftemangel. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen zwingend verbessert werden und es braucht eine Anpassung des Sozialversicherungssystems, damit die Care-Arbeit generell sozial abgesichert wird.

3. Die Individualbesteuerung muss eingeführt werden

Die Individualbesteuerung ist aus Sicht der Gleichstellung zwingend. Die Einkommen der Frauen und Männer sollen einzeln sichtbar und versteuert werden. „Nur die zivilstandsunabhängige und diskriminierungsfreie Besteuerung kann uns den nötigen gesellschaftlichen Kulturwandel bringen“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. Ausserdem setzt die Individualbesteuerung positive Anreize zur Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit. Travail.Suisse fordert den Bundesrat auf, dem Parlament eine Umsetzung ohne Einnahmeausfälle zu präsentieren.

Weitere Informationen:

  • Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93
  • Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, Mobile: 079 598 06 37
  • Sabri Schumacher, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung bei Syna, Mobile: 078 642 10 45

→ Link zum Positionspapier

Annexe Dimension

2018 04 30 MK Gleichstellung Dossier d.pdf 313 KB

2018 04 30 Position Gleichheit-von-Frau-und-Mann-heute-und-morgen d.pdf 1666 KB

30 avril 2018, Valérie Borioli Sandoz, Responsable politique de l'égalité Drucker-icon

Travail.Suisse fordert einen starken Service public

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat heute gemeinsam mit den angeschlossenen Verbänden Syna und transfair sowie seiner Jugendkommission Jeunesse.Suisse das Positionspapier „Ein starker Service public: Grundlage der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklung der Schweiz“ präsentiert. Ziel ist es einerseits, den Service public als Rückgrat der Schweiz zu stärken und andererseits ein klares Statement gegen „No Billag“ und die aktuellen Abbau-Pläne im audiovisuellen Service public abzugeben. mehr

Der Service public ist die Grundlage einer modern und effizient funktionierenden Schweiz und somit entscheidend für ihre wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung. Sein Leistungsumfang ist periodisch zu überprüfen und den Bedürfnissen der Bevölkerung anzupassen. Das darf aber keinesfalls einseitigen Abbau und Privatisierung bedeuten, sondern muss eine faire Diskussion über den Umfang der Service public-Leistungen umfassen.

Was der Markt nicht kann – im Gegensatz zum Service public

In den letzten Jahren bis Jahrzehnten hat die neoliberale Ideologie Wirtschaft und Politik immer stärker durchdrungen. Diese Ideologie, die den freien Markt – am liebsten ganz ohne Rahmenbedingungen – ins Zentrum stellt, möchte auch die Leistungen des Service public dem Markt überlassen. Das Argument: Er würde gleiche Leistungen effizienter und zu tieferen Kosten als der Staat erbringen. Dass dem nicht so ist, zeigt das Service public-Positionspapier von Travail.Suisse. Die Ideologie blendet einige zentrale Schwächen des freien Marktes komplett aus, zum Beispiel dass der Markt Zentren stärkt und Randgebiete schwächt. So könnte die Post als privatisiertes Unternehmen niemals mit heute vergleichbare Dienstleistungen in bevölkerungsärmeren Randregionen erbringen. Auch kann ein freier Markt den Fortbestand der Infrastruktur nicht gewährleisten, da er den kurzfristigen Ertrag sucht und keinerlei Interesse an kostspieligen Investitionen in den regelmässigen Unterhalt hat. Infrastrukturen wie etwa Telekommunikations- oder Schienennetze benötigen einen solchen aber zwingend. Ein weiteres wichtiges Element ist allerdings, dass der Markt die Chancengleichheit nicht gewährleisten kann. Er macht die Starken stärker und die Schwachen schwächer und schafft dadurch eine egoistische Welt. Das würde etwa passieren, wenn das Bildungswesen privatisiert würde und nur noch eine privilegierte Schicht sich eine qualitativ hochstehende Schulbildung leisten könnte.

Um den geografischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der Schweiz zu gewährleisten und also einen modernen und starken Service public zu fördern, stehen für Travail.Suisse drei zentrale Forderungen im Zentrum:

Forderung 1 – Keine Privatisierungs-Risiken eingehen: Die Privatisierung von Service public-Leistungen kann nur akzeptiert werden, wenn keine Risiken für das Angebot desselben entstehen. Ausserdem müssten die Arbeitsbedingungen überdurchschnittlich gut und in einem Gesamtarbeitsvertrag geregelt sein. Privatisierungen aus ideologischen Gründen sind komplett abzulehnen.

Forderung 2 – „Care Economy“ als neue Service public-Leistung: Die Schweiz steht durch die Alterung der Gesellschaft und den Fachkräftemängel vor grossen Herausforderungen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss durch ein staatliches Angebot an Betreuungseinrichtungen verbessert werden – einerseits für die Betreuung von Kindern im Vorschul- und Schulalter und andererseits für die Entlastung von pflegenden und betreuenden Angehörigen, damit auch diese familiären Aufgaben mit einer Erwerbstätigkeit vereinbar werden.

Forderung 3 – Audiovisuellen Service public erhalten und ausbauen: Die „No Billag“-Initiative will den audiovisuellen Service public abschaffen, alleine der Markt soll über das Angebot entscheiden. Travail.Suisse lehnt die radikale „No Billag“-Initative klar ab. Der audiovisuelle Service public ist ein elementares Angebot und muss vielmehr mit Angeboten im Internet ergänzt werden. Mit der neuen Konzession für die SRG SSR und mit dem neuen Mediengesetz kann und soll der audiovisuelle Service public weiterentwickelt werden.

Travail.Suisse und seine Jugendkommission Jeunesse.Suisse werden sich mit Unterstützung der angeschlossenen Verbände Syna und transfair für einen starken Service public und für die Umsetzung dieser Forderungen einsetzen.

Weitere Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93
• Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse, Mobile : 078 709 48 50
• Denis Torche, Leiter Dossier Service public, Travail.Suisse, Mobile : 079 846 35 19
• Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident transfair, Mobile: Tel. 076 332 15 26
• Irène Darwich, Leiterin Sektor Dienstleistung und Vizepräsidentin Syna, Mobile: 079 758 08 12
• Nadine Walker, Co-Präsidentin Jeunesse.Suisse, Mobile: 079 900 68 98

Annexe Dimension

2018 01 30 Medienmitteilung MK Fuer-starken-Service-public Gegen-NoBillag d.docx 52 KB

2018 01 30 DOSSIER MK Fuer-starken-Service-public Gegen-NoBillag d.pdf 480 KB

2018 01 30 Positionspapier Service public.pdf 502 KB

30 janvier 2018, Adrian Wüthrich, Président Drucker-icon

Travail.Suisse fordert endlich mehr Lohn für Arbeitnehmende

Der Schweizer Wirtschaft geht es gut. Für das Jahr 2018 wird ein BIP-Wachstum von bis zu 2.4 Prozent prognostiziert. Leider scheint sich dies für die Arbeitnehmenden nicht wirklich auszuzahlen, denn zusätzlich zu einigen Nullrunden werden sich ihre Löhne lediglich um zwischen 0.5 und 1 Prozent erhöhen. Ausserdem arbeiten bürgerliche Kräfte aktiv daran, das im internationalen Vergleich schon sehr liberale Arbeitsgesetz auszuhöhlen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, beurteilt die Lohnrunde 2018 als ungenügend und fordert, dass die Arbeitnehmenden in der Schweiz am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt und weiterhin durch das Arbeitsgesetz geschützt werden.%(mehr)mehr%

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die ihm angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union haben im August 2017 ihre Lohnforderungen für das Jahr 2018 präsentiert. Die positiven Vorzeichen haben sich mit dem abschwächenden Franken verbessert und die Aussichten sind blendend: Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Produktion brummt und die Prognosen für 2018 sehen ein BIP-Wachstum von bis zu 2.4 Prozent vor. Bei den Arbeitnehmenden kommt der Aufschwung aber nur ungenügend an – das zeigt der Blick auf die Ergebnisse der diesjährigen Lohnverhandlungen.

Teuerung und steigende Krankenkassenprämien fressen Lohnerhöhungen auf

„Mit Lohnerhöhungen zwischen 0.5 und 1 Prozent werden die Arbeitnehmenden 2018 real kaum mehr Geld im Portmonee haben – die allgemeine Teuerung und steigende Krankenkassenprämien fressen Lohnerhöhungen auf“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Besonders schlecht steht es um die Baubranche, die erneut eine Nullrunde verhängt bekam, obschon gerade diese Branche sehr gute Jahre hinter sich hat. Doch es gibt auch Lichtblicke: Individuelle Lohnmassnahmen dominieren zwar nach wie vor, doch der Anteil genereller Lohnerhöhungen hat zugenommen. Das beharrliche Pochen durch die Gewerkschaften zeigt zumindest in Gewerbe und Industrie Wirkung. Das reicht aber nicht: Zieht die Inflation künftig an, so müssen flächendeckende generelle Lohnerhöhungen zum Erhalt der Kaufkraft der Arbeitnehmenden stärker an Bedeutung gewinnen.

Weniger für Arbeitnehmende, mehr für Arbeitgeber

Statt die Arbeitnehmenden vom Aufschwung profitieren zu lassen, versuchen bürgerliche Kräfte im Parlament, das Arbeitsgesetz weiter zu liberalisieren: Die Arbeitszeiterfassung soll abgeschafft und gleichzeitig die Wochenarbeitszeit erhöht werden. Dabei belegt das «Barometer Gute Arbeit» von Travail.Suisse bereits jetzt einen zunehmenden Verlust der Arbeitszeitautonomie für die Arbeitnehmenden. „Wir werden uns mit aller Kraft gegen diese Aushöhlung des ohnehin schon liberalen schweizerischen Arbeitsgesetz wehren“, bekräftigt Fischer. Auch im Bereich der Frauenlöhne sowie dem Vaterschaftsurlaub bewegt sich wenig: Die Arbeitgeber waren nicht bereit in Bezug auf die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern einen Effort zu leisten. „Damit ist definitiv klar, dass die Arbeitgeber die Lohngleichheit nicht auf gut schweizerischem, sozialpartnerschaftlichem Weg vorantreiben wollen. Alle Versprechen diesbezüglich waren vor allem eines: heisse Luft“, sagt Fischer. Für Travail.Suisse ist es daher höchste Zeit, dass sich das Parlament endlich mit der Botschaft der Revision des Gleichstellungsgesetzes befasst und die Unternehmen zumindest zu einer Kontrolle der Lohngleichheit aufgefordert werden.

Für mehr Informationen:
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
• Arno Kerst, Präsident Syna, Tel. 079 598 67 70
• Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident des Personalverbands transfair, Tel. 076 332 15 26

Annexe Dimension

2017 12 18 MK Lohnergebnisse-2018 Redetext Fischer TravailSuisse d.doc 77 KB

2017 12 18 MK Lohnergebnisse-2018 Redetext Kerst Syna d.docx 61 KB

2017 12 18 MK Lohnergebnisse-2018 Redetext Mueller-Altermatt transfair d.docx 44 KB

18 décembre 2017, Gabriel Fischer, Responsable politique économique Drucker-icon

Der Druck auf Arbeitnehmende steigt

Das «Barometer Gute Arbeit» wird jährlich als Kooperationsprojekt der Berner Fachhochschule und Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, herausgegeben. Die repräsentativen Ergebnisse beleuchten die Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz und ihre Veränderungen. Die Ausgabe 2017 zeigt grosse psychosoziale Belastungen, mangelnde Förderung der Weiterbildung und den Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitsplatzsicherheit. mehr

Der Druck auf die Arbeitnehmenden ist hoch und psychosoziale Belastungen wie Stress oder emotionale Erschöpfungszustände nehmen zu. Gleichzeitig verlieren Arbeitnehmende immer mehr die Hoheit über ihre freie Zeit, was die Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Privatleben erschwert. Dazu kommen mangelhafte Investitionen der Arbeitgeber in ihre Angestellten – etwa in Mitarbeitergespräche oder Weiterbildungen. Neu ist die Angst, aufgrund der Digitalisierung den Arbeitsplatz zu verlieren.

Druck auf Arbeitnehmende steigt stetig

Die Ergebnisse des Barometer 2017 zeigen, dass Arbeitnehmende zunehmend stärkeren psychosozialen Belastungen ausgeliefert sind: „41 Prozent der Befragten fühlen sich oft oder sehr häufig durch ihre Arbeit gestresst, das sind eindeutig zu viele“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. „Stress und emotionale Erschöpfung sind heute für viele Alltag – das darf nicht sein.“ Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass Arbeitnehmende heute massiv weniger Einfluss auf die Gestaltung ihrer Arbeitszeiten haben: Zwischen 2015 und 2017 hat der Anteil von 38 auf 47.8 Prozent zugenommen. „Das schadet der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“, sagt Fischer. Dieser Befund gewinnt an Bedeutung, da das Arbeitsgesetz von Arbeitgeberseite seit längerem traktiert wird. Gefordert werden die Abschaffung der Arbeitszeiterfassung, noch mehr Flexibiltät und längere Arbeitszeiten – am besten ohne Pausen. Dabei wird der beschleunigte Strukturwandel aufgrund der Digitalisierung als Vorwand für weitere Flexibilisierungen vorgeschoben. „Travail.Suisse wird Angriffe auf das bestehende Arbeitsgesetz unter dem Deckmantel der Digitalisierung bekämpfen“, sagt Fischer.

Keine Veränderungsmöglichkeiten

Arbeitnehmende in der Schweiz stehen stärker und häufiger unter Druck, sie verlieren immer mehr die Hoheit über ihre freie Zeit, die Löhne stagnieren und Standortbestimmungen und Förderung der Weiterbildung führen ebenfalls ein Mauerblümchen-Dasein. Über die Hälfte der Arbeitnehmenden verfügt über kein jährliches Mitarbeitergespräch oder erlebt es nicht als konstruktiv und hilfreich. Ebenfalls fast die Hälfte wird nicht oder zuwenig in seiner Weiterbildungstätigkeit gefördert. Zudem investieren Arbeitgeber stärker in bereits höher anstatt in tiefer Qualifizierte. „Insbesondere tiefer qualifizierte Arbeitnehmende drohen so den Anschluss und die Arbeitsmarktfähigkeit zu verlieren“, sagt Fischer. So glauben 52.6 Prozent der Arbeitnehmenden nicht oder kaum daran, bei Stellenverlust wieder eine vergleichbare Stelle zu finden – auch dieser Anteil hat gegenüber 2015 zugenommen. Mitarbeitergespräche und Weiterbildungen sind gerade für Erwerbstätige zwischen 40 und 45 Jahren zentral. Sie müssten von einer Standortbestimmung profitieren können, damit auch die Dequalifizierungen aufgedeckt werden könnten, die sich über die Jahre eingeschlichen haben. Damit können Betroffene das Risiko, zu älteren Arbeitslosen zu werden, massiv minimieren. Gerade heute, in Zeiten von Fachkräftemangel und Digitalisierung, müssten Arbeitnehmer die Möglichkeit erhalten, sich immer weiter zu qualifizieren, um bis zu Pensionierung die Arbeitsstelle behalten zu können.

Hände weg vom Arbeitsgesetz und zwei weitere Forderungen

Zukunftsfähige Arbeit muss die Gesundheit der Arbeitnehmenden schützen, ihre Motivation erhalten und ein gewisses Mass an Sicherheit bieten. Auf Basis der aktuellen Resultate des „Barometer Gute Arbeit“ stellt Travail.Suisse folgende Forderungen:

1. Hände weg vom Arbeitsgesetz
Erst kürzlich wurde die Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 50 Stunden gefordert. Ebenfalls auf der Agenda der Arbeitgeber ist die Abschaffung der Arbeitszeiterfassung. Beides bekämpft Travail.Suisse vehement. Die Aufhebung der Arbeitszeiterfassung führt einzig zu mehr Gratisarbeit und eine 50 Stunden Woche zu noch grösserer Belastung der Arbeitnehmenden. Das Arbeitsrecht soll nicht verschrottet, sondern muss zwingend verbessert werden – dies gilt gerade mit dem zu erwartenden Wandel durch die Digitalisierung.

2. Mehr Weiterbildung – auch für tiefer qualifizierte Arbeitnehmende
Aufgrund von Fachkräftemangel und beschleunigtem Strukturwandel müssen Arbeitnehmende ihre Qualifikationen ständig überprüfen und anpassen. Für Travail.Suisse ist der Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit ein zentrales Anliegen. Dazu müssen neben den Arbeitnehmenden auch die Arbeitgeber mit mehr Engagement beitragen. Travail.Suisse fordert ausserdem einen Fonds, damit Weiterbildungen und Umschulungen für (ältere) Arbeitnehmende im Zuge der Digitalisierung finanziert werden können.

3. Inländervorrang muss wirkungsvoll umgesetzt werden
Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative erfordert eine bessere Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials. Mehr als die Hälfte aller Befragten gaben an, dass es für sie gar nicht oder gering einfach wäre, eine vergleichbare Arbeit mit vergleichbarem Lohn zu finden falls, sie ihre Arbeit verlieren. Diese Tatsache belastet die Arbeitnehmenden überproportional. Mit der Stellenmeldepflicht bekommen inländische Arbeitnehmende einen Vorteil – allerdings nur mit einer entsprechend wirkungsvollen Umsetzung mit wenigen Ausnahmen und kurzer Übergangszeit. Die Massnahmen müssen zwingend ab 2018 Wirkung erzielen, um das Vertrauen der Arbeitnehmenden zu gewinnen.

>> zum Blog " knoten&maschen "
>> zu den interaktiven Grafiken

Weitere Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 079 287 04 93
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53

Annexe Dimension

2017 11 23 MM Barometer-Gute-Arbeit d.pdf 129 KB

2017 11 23 Barometer-Gute-Arbeit Analysetext A-Wuethrich d.pdf 123 KB

2017 11 23 Barometer-Gute-Arbeit Analysetext G-Fischer d.pdf 567 KB

2017 11 23 Barometer-Gute-Arbeit Schlussbericht d.pdf 2106 KB

23 novembre 2017, Gabriel Fischer, Responsable politique économique Drucker-icon